Segeln

Alles was Segeln beinhaltet

Mallorca-Törn im September 09

08.09.09: Routinierte Anreise mit Flugzeug und Bus. Kurz das Gepäck auf’s Boot und ab zu Sebastians Büro um Ankie auszulösen (Hardstanding bezahlen, vorher kein Krantermin!). Ruckzuck liegt das Boot im Wasser und wird nach Alcudiamar verholt. Glücklicherweise hatte ich den Vergaser im Frühjahr leerlaufen lassen und der Motor springt sofort an. Segel angeschlagen (neues Groß blendet richtig) und Basics (Bier, Wein, Wasser und Milch) eingekauft, der Urlaub kann beginnen. Wie üblich putzen, schrubben, schwitzen.

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09.09.09: Heute steht ein seit langem offener Punkt der todo-Liste auf dem Programm, die elektrische Verbindung des Außenborders mit der Batterie. Mit tatkräftiger Hilfe eines neuen Bekannten (Internet sei Dank) werden die Übeltäter entlarvt, korrodierte Kontakte zwischen Lichtmaschiene, Gleichrichter und Stecker. Da hilft nur der radikale Schnitt und neue Verkabelung, aber siehe da, es funktioniert wieder, Strom im Überfluss unter Motor! Damit der Skipper nun nicht übermütig wird, folgt der Gau am nachmittag. Während ich den Wassertank fülle und die Pumpe läuft um dadurch den Tank zu spülen, schummelt sich der Stopfen des Abflusses an die für ihn vorgesehene Stelle im Spülbecken. Bis ich das bemerke, pumpe ich fröhlich gefühlte 100 Liter Wasser ins Boot. Toll, wollte ja sowieso putzen, aber ich hasse Wasser im Boot wo es nicht hingehört! Erst recht bei Booten ohne Bilgenpumpe. Ein mittlerweile kühles Bier kann mich jedoch besänftigen und ich gehe meiner Lieblingsbeschäftigung (putzen und dabei schwitzen) nach.

10.09.09: Heute kommt die Eignerin, geputzt ist ja. Auto mieten, Paket in Alcudia abholen und die neue Kompressor-Kühlbox in Betrieb nehmen, nach Palma düsen und Eva abholen, immer wieder ein schönes Erlebnis diese glänzenden Augen in der Erkenntnis des tatsächlich wundervollen Sommerwetters auf dieser Insel. Nochmal einkaufen, einchecken, wohlfühlen auf dem eigenen Boot, Sundowner, Essen gehen, das volle Programm.

11.09.09: Erster Segeltag Richtung Colonia San Pere. Unterwegs stelle ich fest, dass Franz vor Aucanada ankert. Da ich ein paar Dinge auf seinem Boot ausmessen wollte, segeln wir kurzerhand zurück und gehen längsseits. Franz ist der Voreigner von Ankie (seinerzeit gekauft für den Nachwuchs) und hat mir unser Boot nach meiner letzten theoretischen Prüfung zum SSS in meiner Euphorie schmackhaft gemacht. Ich habe es noch nicht bereut und dadurch einen netten Menschen kennengelernt. Nach dem obligatorischen smalltalk nun endlich Lappen raus und gemütlich nach ESE in unsere Lieblingsmarina in der Baia d’Alcudia. Der erste Anleger klappt souverän (nervös bin ich ja immer noch) und der obligatorische Anleger ist wunderbar kühl, wobei die neuen Bierdosenhalter hervorragende Dienste leisten.

Links neben dem hübschen Kopf meiner Eignerin:

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12.09.09: Neue Überaschung zum Frühstück, Gas ist all. Da muß sofort der Plan des heutigen Tages angepasst werden. Telefonische Recherche ergibt Rückfahrt nach Alcudia, Anleger am Wartekai und ab in die Stadt mit der leeren Flasche unterm Arm. Glücklicherweise kann ich mir bei Franz ein Fahrrad ausleihen und binnen einer halben Stunde ist die Flasche getauscht, Frühstückskaffee gerettet! Da der Tag leicht fortgeschritten ist, beschließen wir in der Cala es Calo einen Badestop einzulegen und anschließend wieder nach Colonia San Pere zurückzusegeln. Anlegen klappt wunderbar und das Bier ist kühl. Angesichts des frühen Anlegers rückt eine weitere Baustelle in unseren Focus, die Seefunkantenne. Mein freundlicher Helfer bei der Stromversorgung riet mir das Kabel in größerer Schleife von Antenne bis Masteintritt zu legen, könnte die Ursache für den indiskutabel schlechten Empfang sein. Also Premiere für unseren Topclimber zur allgemeinen Belustigung aller umliegenden spanischen Hobbyfischer die am Wochenende in Scharen über die Reste der schwimmenden Population herfallen. Klappt relativ gut, wenn man das System verstanden hat, jedoch bleibt uns diese Baustelle weiterhin erhalten, im Verlauf des Törns war keine Empfangsverbesserung erkennbar.

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13.09.09: Aufbruch wie üblich gegen 1000 Richtung Cabo Farrutx mit dem ursprünglichen Ziel Bon Aire in der Baia Pollenca. Angesichts des schwachen Windes überrede ich Eva, das Kap erstmalig zu umrunden und nach Ost an Stelle West zu segeln, b.z.w. in diesem Falle zu motoren, Ziel Cala Ratjada.

 http://www.youtube.com/watch?v=ayC2jnO7Dgo

Der Tag plätschert so dahin, entlang der einsamen Nord-Ost Küste, kaum bebaut und nur ein paar Sportangler auf dem Weg. Höhe Cabo del Freu setzen wir die Segel und dümpeln Richtung Cala de S’Agulla als sich der Himmel doch recht schnell verdunkelt. Gewitter im Anmarsch! Das übliche Programm läuft ab, sturmklar machen, Segel reffen, Motor starten, Rettungswesten anlegen und einpicken. Wir steuern auf das offene Meer hinaus, den Schaumkronen entgegen. Klingt erst mal bescheuert, aber Legerwall ist unbedingt zu vermeiden und das Cap de Pera liegt noch zwischen uns und Cala Ratjada. Also erst mal freisegeln und abwarten, in gebührendem Abstand das Cap umrunden und im Windschatten Lappen rein und ab in den Kommunalhafen. Der Plan funktioniert, wenn auch mit Kribbeln im Bauch, aber eine Stunde später liegen wir vor der Mole und tasten uns in den unbekannten Hafen. Freundliche Charterer nehmen unsere Leinen an und wir gehen längseits eines Katamarans, sozusagen als Beiboot, vergleicht man mal die unterschiedlichen Größenordnungen.

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Den Rest des Tages löte ich an das Seefunkkabel einen neuen Stecker zum Anschluß an das Funkgerät (hat auch nichts gebracht) und schleiche mich etwas frustriert an die Bar an der Mole, Kummer wegspülen mit Cerveza kann ich eindeutig besser als Funkgeräte zu montieren.

14.09.09: Frühstück, auslaufen, Segel setzen Richtung Porto Christo. In Höhe Cabo Vermey wechselt Eva die Gesichtsfarbe, von rosig über blass nach grün. Erst mal beidrehen und beratschlagen. Der nächste Hafen ist noch recht weit weg, Crew will lieber kübeln als segeln, Skipper gibt sich geschlagen und segelt zurück nach Cala Ratjada. Gibt in der Situation auch wenig zu diskutieren, wer will schon eine maulige Eignerin an Bord? Platz im Überfluß, wir gehen längseits an der Mole, direkt vor die Bar. Zwischen einigen Regenschauern erkunden wir zu Fuß das Cap de Pera und lassen den Tag in aller Ruhe ausklingen.

 Landschaft um das Kap

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Und hier der Leuchtturm

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15.09.09: Nächster Versuch, ablegen klappt aber souveräner, wenn man vorher die Mooring loswirft! Erinnert mich an einen unserer ersten Törns, da hatten wir noch das Landstromkabel anhängen und Skipper denkt er hängt im Schlamm fest, haha hat er gar nicht gelacht, sondern nur dämlich geguckt.

Aber nun zurück zu 2009, irgendwann kamen wir doch los und schuffeln nach SSW immer der Küste lang bis sich der Himmel mal wieder verdunkelt und die Schleusen öffnet. Definitiver Wassertest für unsere Schwerwetterklamotten. Zeitweise hatte ich Mühe unseren Bug zu sehen, aber das unsichtige Wetter ist noch vor der Einfahrt nach Porto Christo vorbei. Anlegen bei strahlendem Sonnenschein, souverän und deutlich souveräner als unser Ableger am Morgen, und kaum gönnt sich der Skipper sein erstes Bier, fängt es wieder an zu schiffen. Der Rest des Tages dann wieder wie gehabt, duschen, essen gehen, trinken bis zur Bettruhe, welche des Nachts jedoch von einer feucht-fröhlichen Männercrew duch lautstarkes singen irgendwelcher schwachsinnigen Lieder arg gestört wird.

16.09.09: Ablegen nach loswerfen der Mooring, man lernt ja dazu! Angenehmer Wind, sonniger Tag, lockeres segeln bis Cala d’Or. Viel zu früh erreicht, aber Porto Pedro im Süden kann an diese Marina nicht annähernd tippen und letztendlich sind wir ja im Urlaub und nicht auf der Flucht. Später am Abend hauen uns die sanitären Anlagen von den Socken, da ist ja selbst Antibes nicht besser, der Preis dafür allerdings auch nicht. 40 Öre ist schon ein Wort für 6,45 m “Schiff”, die Duschen reißen es raus. Zum Abendessen mit Blick über die Marina feinste Ware, muß Mann/Frau sich einfach gönnen. Nachts recht stürmische Entwicklung der Wetterlage, wir aber liegen so sicher wie in Abrahams Schoß.

17.09.09: Heute ist raumer Wind angesagt mit Kurs Nord. Erst einmal ist davon aber nichts zu spüren und irgendwann hat der Schiffsführer die Nase voll und segelt im Schmetterling, so kann der notwendige Kurs so eben gehalten werden. Im Laufe des Tages die übliche Auffrischung, etwas mehr Auffrischung, brechende Wellen und das bei Vollzeug! Raumer Wind halt, wobei Skipper bei Erreichen des heutigen Topspeeds von 8 kn nach einer klassischen Q-Wende (halsen wäre schon recht schwierig geworden) dann doch mal die Genua wegrollt. Bei immer noch deutlich über 6 kn rauschen wir Richtung Cala Ratjada und suchen Landabdeckung, um das Groß stressfrei bergen zu können. Klappt, bin immer froh wenn ein Plan funktioniert und ich gegenüber Eva einigermaßen cool wirke, sieht ja auch besser aus. Der Anleger allerdings wird reichlich heikel, da der Wind voll in den Hafen bläst und Ankie unter Motor alles macht, nicht jedoch rückwärts kontrollierbar ist. Freundliche Nachbarn ersparen uns Schande und Gelächter, sah im Nachhinein weniger schlimm aus und Plan B blieb uns erspart. Über Nacht schlafen im Wellenbad, Geschaukel wie Sau und entsprechend griesgrämig grüßt Eva den anbrechenden Tag.

18.09.09: Die Wettervorhersage klingt gut, also raus nachdem alle anderen schon weg sind. Kein Boot mehr da zum Übersteigen, also kurz an die Tankstelle verholt und getankt, nochmal Pippi usw. Draußen mal die Lappen gelüftet, Groß im Reff, Motor läuft mit, soweit alles easy. Kurz vor Cap Farrutx weht es kräftiger, Genua ins Reff, kräftiger, Motor an, kräftiger, Genua weg, kräftiger….Scheiße! Wind hinter dem Kap voll auf die Nase, Welle kurz und steil, Motor quirlt immer öfter in der Luft und wir stehen fast auf der Stelle. Groß weg und Hebel auf den Tisch, damit das Heck eintaucht und wir etwas Fahrt über Grund machen. Äußerst nasse Angelegenheit, Eva entnervt, Skipper genervt bis der Sprit alle ist. Super, zu allem Überfluß funktioniert auch der Pumpball zum Umfüllen nicht. Messer raus und mit Schlauch angesaugt, dabei lenzen wir vor Topp und Takel mit annähernd 3 kn, hätte ich nicht gedacht. Irgendwann, nach endloser Prügelei durch die Wellen erreichen wir Alcudiamar, selten so glücklich in der Hafeneinfahrt angeschaut, geschafft! Was für ein Tag, zeigt sich die Baja d’Alcudia von ihrer ruppigen Seite und läßt uns demütig werden vor den Gewalten der Natur.

19.09.09: Hafentag, Wunden lecken, erholen. Kein Bock auf action, Urlaub machen.

20.09.09: Letzter Tag für Eva, schwimmen vor Aucanada. Nur schwimmen, quatschen, dösen und gemütlich ausklingen lassen. Bevor es regnen könnte wieder zurück zum Liegeplatz und diesmal die Trippleine der Mooring um den Propeller gewickelt, super, hat jeder was zu Lachen, am meisten wir selbst.

21.09.09: Abreise für Eva. Sightseeing in Palma, ich liebe Bummeln durch die Altstadt, oder besser Eva liebt es und ich ertrage es, geködert mit leckeren Tapas. Irgendwann ist es dann soweit und die Eignerin verschwindet in den Wolken, Skipper verholt sich aufs Boot und ertränkt seinen Kummer standesgemäß.

22.09.09: Putz und Flickstunde hieß das beim Bund. Hier bedeutet das Sicherung in Ladestromkabel Motor einbauen, Verstärkung für Unterwant (das Sandwichdeck knirscht schon verdächtig) anbringen, Häkchen für Spüllappen festschrauben, Fenster abdichten, Internet surfen, Bier trinken, lesen, faulenzen. Ach ja, duftende Wäsche abholen, alles wieder sauber.

23.09.09: Frühstück ohne Regen, hat ja was. Kurz nach dem Auslaufen gleich mal geduscht worden, die Sonne setzt sich aber durch. Entspannter Segeltag bis ich Backbord querab eine Cumulonimbus entdecke, die nicht nur auf mich zukommt, nein sie wird auch immer fetter. Die Segelei wird schlagartig zielgerichteter und führt mich auf dem kürzesten Weg nach Colonia San Pere. Um nicht schon wieder naß zu werden, berge ich die Segel und motore die letzten beiden Meilen, erreiche den Hafen, klare das Boot auf und weg ist das Gewölk. Sehr witzig! Am Abend noch ein ausgiebiges Gespräch mit Pierre (Kanadier, zu dem Zeitpunkt in Frankreich an der Côte) geführt, wlan und skype sei Dank direkt von Bord aus.

24.09.09: Wie lautete noch mal die Vorhersage? N-NNE 3-4, wäre ideal gewesen. Tatsächlich NW, 4-5, eher 6. Nicht so ideal, strenggenommen, exakt auf die Nase und ich keine Zeit abzuwarten. Klamotten an einschl. Schwimmweste und ab durch das Geschaukel, gegenanbolzen wird mir langsam zur Gewohnheit. Dünung in der Mitte der Bucht mit deutlicher Tendenz zum Brechen bringt noch ein wenig Adrenalin, letztendlich ist es aber eher eine langweilige Notwendigkeit. Sobald Ankie festgemacht ist beginnt auch schon der Striptease. Segel und Schoten weg, abspritzen, Tank noch mal füllen, fertigmachen zum Aufpallen. Der Rest des Tages versinkt in der Routine.

25.09.09: Letzter Tag. Termin zum Kranen ist um 1100, bis dahin ist das Boot bei Sebastian, aufgeräumt, fertig zum Verlassen, was ich diesmal auch mache, bevor das Boot vom Haken kommt. So brauche ich mir keine Leiter mehr zu suchen und trolle mich, sobald ich sehe, dass Ankie sicher verkeilt ist. Nochmal duschen, ein letztes Bier in der Bar Titanic, Bus nach Palma, Flieger nach Hahn und plötzlich bin ich wieder zuhause.

Insgesamt knapp 170 Meilen gesegelt, jede Menge Gewitter und etwas weniger Sonne, als ich ursprünglich dachte. Wie letzten Herbst den Permanentsonnenschein wieder um 2 Wochen verpasst, aber irgendwann werden wir den optimalen Zeitpunkt erwischen, bin ich ganz sicher….

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